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miti3000 freut sich dieses Buch zu veröffentlichen und dankt der Autorin



Regine Quack-Manoussakis und dem Verlag des Förderkreisesdes Otto-König-von-Griechenland-Museums der Gemeinde Ottobrunn für die freundliche Genehmigung.



Zu weiteren Vertiefungen kann man das Buch von derselben Autorin nachschlagen: "Der Deutsche Philhellenismus während des griechischen Freiheitskampfes 1821-27", erschienen im R. Oldenbourg Verlag München 1984 (285 S.,  ISBN 3-486-52031-8).



miti3000 è lieta di pubblicare in versione html questo prezioso ed inedito contributo sul filellenismo tedesco.

Ringrazia pertanto l'autrice Regine Quack Manoussakis e l'editore Förderkreis des Otto-König-von-Griechenland-Museum della comunità Ottobrunn per la gentile autorizzazione alla pubblicazione su internet.



Per ulteriori approfondimenti è possibile consultare il libro della stessa autrice: "Der Deutsche Philhellenismus während des griechischen Freiheitskampfes 1821-27", pubblicato da: R. Oldenbourg Verlag München 1984 (285 S.,  ISBN 3-486-52031-8).







Diese Schrift widme ich

dem Andenken

meines Bruders Joachim

und des Freundes und Kenners

alles Griechischen,

Klaus-Peter Schulz,

die beide kurz hintereinander

aus dem Leben geschieden sind.

Der eine war ein wirklich guter Mensch

der andere ein wirklich grosser Geist.


Regine Quack-Manoussakis

Die deutschen Freiwilligen im griechischen Freiheitskampf von 1821


Verlag des Förderkreises Otto-König-von-Griechenland-Museum der Gemeinde Ottobrunn.

Eine Lithographie dieses Gemäldes (72:50 cm) befindet sich im Otto-König-von Griechenland-Museum Ottobrunn.

Es trägt die gedruckte Widmung in französischer und griechischer Sprache "gewidmet seiner Majestät, dem König von Griechenland Otto I. von Th.P.Bryzakis 1856", gedruckt von Lemercier, Paris.




Jahresgabe 2003

Schriftenreihe des Otto-König-von-Griechenland-Museums der Gemeinde Ottobrunn.

Nr. 5

Verlag des Förderkreises Ottobrunn.

Alle Rechte vorbehalten

Gestaltung und Herstellung:
     Jan Murken, Ottobrunn
   Christine Scholz, München

Druck
     Druckerei Adolf  Wax GmbH München


Printed in Germany 2003
http://www.miti3000.it  25/05/03
http://www.miti3000.eu 25/05/03
 





 

Regine Quack-Manoussakis


Die deutschen Freiwilligen im griechischen Freiheitskampf von 1821

 

Mit einem Anhang von Gedichten, Tafeln und Texten von Freiwilligen und über sie

Dieses Büchlein widme ich dem Andenken meines Bruders Joachim und des Freundes und Kenners alles Griechischen, Klaus-Peter Schulz, die beide kurz hintereinander aus dem Leben geschieden sind.

Der eine war ein wirklich guter Mensch, der andere ein wirklich großer Geist.

Über die Teilnahme der deutschen Freiwilligen am griechischen Freiheitskampf sind wir recht gut aus erster Hand informiert, und zwar durch ihre Selbstzeugnisse, welche da sind Memoiren, Tagebücher, Reiseberichte oder einfache Briefe.

Der Hauptstrom der Freiwilligen, die aus verschiedenen europäischen Ländern nach Griechenland zogen, beschränkte sich im wesentlichen auf die ersten beiden Kriegsjahre, d.h. von 1821 bis Ende 1822. Die stärkste nationale Gruppe unter ihnen bildeten die Deutschen mit etwa 250 Teilnehmern. Fast die Hälfte dieser Männer starben in Griechenland, die meisten an Krankheit, die wenigsten auf dem Schlachtfeld wie vornehmlich in Peta. Etwas über 100 Männer kehrten nach einem Aufenthalt von mehreren Monaten oder von höchstens einem Jahr nach Deutschland zurück.

Zwanzig dieser deutschen Heimkehrer haben Memoiren verfaßt, von einigen sind Reiseberichte in der damaligen Presse veröffentlicht worden, und von manch einem mögen die Tagebuchaufzeichnungen für immer unveröffentlicht geblieben sein. Allgemein können wir sagen, daß etwa jeder fünfte zurückgekehrte Freiwillige mit seinen Griechenlanderfahrungen an die Öffentlichkeit getreten ist. Der Grundton, der alle diese Memoiren prägt, ist der einer tiefen Enttäuschung, und wir müssen fragen, woher diese Enttäuschung rührt. Wir müssen konkret fragen, mit welchen

Grabmal und Gedenktafel der in der Schlacht von Peta am 4. Juli 1822 gefallenen Philhellenen. (Photo: Pavlos Manoussakis)





Vorstellungen und Erwartungen die Freiwilligen auszogen, wie sie die Begegnung mit der griechischen Wirklichkeit erlebt und wie sie ihre Erfahrungen verarbeitet und abschließend beurteilt haben. Vor 1821 war Neugriechenland einer breiteren Öffentlichkeit in Deutschland weitgehend unbekannt. Dagegen war die Bewunderung für das Griechenland der Antike im Zeitalter des Klassizismus in den Kreisen der Gebildeten nahezu grenzenlos. Als dann im Frühjahr 1821 die ersten Meldungen von der Erhebung unter Alexandros Ypsilantis in den Donaufürstentümern gegen die Pforte in Deutschland eintrafen, regte sich hier sofort ein überaus lebhaftes Interesse. Kurz darauf, am 25. März ( nach westlichem Kalender 6.April ) 1821, wurde auch in Morea die Fahne der Revolution gehißt, und noch bevor dies in Deutschland bekannt wurde, erschien das berühmte Programm zum Auferstehungsfeste "Griechenlands Wiedergeburt" des Leipziger Professors Wilhelm Traugott Krug.


Es folgten in den kommenden Wochen und Monaten unzählige Einzelschriften, Zeitungsaufsätze oder ganze Artikelserien wie die wohl meistbeachtete, anonym in der Augsburger Allgemeinen Zeitung erschienene, die von dem Professor Friedrich Thiersch aus München stammte.

Alle diese Schriften hatten zum Ziel, das deutsche Publikum über die Neugriechen aufzuklären und ihren Aufstand zu rechtfertigen. Die Grundidee war, daß es sich bei Griechenland nicht um irgend ein Land handelte, in dem ein Aufstand ausgebrochen war, sondern um die Geburtsstätte aller Bildung, der schönen Künste und Wissenschaften, ein Land, das zum teuren Eigentum der ganzen Menschheit geworden war.






Man empfand allgemein, daß man in der Schuld der Altgriechen stehe, und mit Freude ergriff man die einmalig günstige Gelegenheit, jetzt an den Neugriechen die alte Dankesschuld abtragen zu können.

Ebenso stellten zahlreiche Dichter und insbesondere auch Dichterinnen ihre Muse in den Dienst der Griechen. Die herausragendste Persönlichkeit unter ihnen war Wilhelm Müller, der mit seinen über 50 "Liedern der Griechen" dieses Volk während seines ganzen Freiheitskampfes begleitete und der als "Sänger der griechischen Freiheit" auf einem Denkmal in seiner Heimatstadt Dessau verewigt ist.

Von Anfang an bestand in Deutschland weitgehend Einstimmigkeit darüber, daß die Griechen in ihrem Kampf gegen die Türken unterstützt werden müßten. In verschiedenen Städten wurden Griechenhilfsvereine gegründet. Darunter übernahm bald der Stuttgarter Verein mit Mitgliedern wie Ludwig Uhland und Gustav Schwab, unter stillschweigender Tolerierung der Regierung in dem etwas liberaleren Südweststaat, die Rolle eines Zentralvereins. Ab September 1821 begannen sich Freiwillige in Stuttgart zu versammeln, und der Verein sorgte für ihre Ausrüstung, Verpflegung und Beförderung nach Griechenland. Neun Schiffsexpeditionen, organisiert durch deutsche Griechenvereine in Zusammenarbeit auch mit Schweizer Hilfsvereinen, gingen bis Ende 1822 von Marseille zu verschiedenen Häfen der Peloponnes ab. Die meisten Teilnehmer waren, neben Franzosen, Italienern und Polen, wie schon erwähnt, über 200 Deutsche.

Wenn wir nun zu unserer anfänglichen Frage zurückkehren, mit welchen Beweggründen die deutschen Freiwilligen ihre Griechenlandfahrt antraten, so gibt es darauf gewiß keine monokausale Antwort. Man muß vielmehr annehmen, daß nicht nur bei diesen Männern insgesamt, sondern sogar bei jedem Einzelnen ein Vielfaches von Motiven für den Entschluß zur Teilnahme zusammengewirkt hat. Sie selber äußerten sich später in ihren Memoiren darüber: Außer den wirklich für die Sache Begeisterten habe es auch ziemlich viele bejahrte Offiziere unter ihnen gegeben, deren Karriere in der Heimat gestockt hatte. Andere wieder seien Unzufriedene oder Enttäuschte gewesen, die ihre Familien und ihr Vaterland verlassen wollten oder mußten. Und noch andere schließlich seien bloße Glücksritter oder Nichtsnutze gewesen.




Es ist in der Tat schwer abzuschätzen, welche Motive bei der Gruppe der Freiwilligen insgesamt überwogen, die selbstlosen oder die eigennützigen.

Aber meiner Meinung nach ist es falsch, von der letztendlichen Erfolglosigkeit der Expeditionen her urteilend, eine idealistische Motivierung bei den Freiwilligen weitgehend auszuschließen. Denn warum sollten gerade jene Männer, die sich entschlossen hatten, Griechenland nicht nur mit der Feder, sondern mit dem Schwert zu dienen, unberührt geblieben sein von all den idealistischen Gehalten, mit denen die griechische Sache verbunden wurde, warum sollten gerade sie kalt geblieben sein, während breite Kreise der deutschen Öffentlichkeit förmlich in Liebe zu den Griechen erglühten? Ein überschwenglicher Enthusiasmus wurde schon in Marseille, besonders bei den deutschen Freiwilligen festgestellt. Man nannte sie deshalb scherzhaft die "Griechenlandretter". (Siehe Anhang 1) Die französischen Behörden aber, denen die fremden Freiwilligen zu viel Unruhe in die Stadt brachten und die den ständigen Zustrom auf alle mögliche Weise zu verhindern suchten, waren sich klar darüber, daß solche Griechenbegeisterung nur das Produkt der vehementen philhellenischen Propaganda in Deutschland sein konnte.



Was erwarteten diese Männer nun, als sie am Ziel ihrer Reise ankamen? Sie hatten sich Griechenland wie eine Art Paradies vorgestellt, und in der Tat zog der Reiz des südlichen Landes viele in ihren Bann. So schwärmen sie in ihren Memoiren von üppiger Blütenpracht und früchtebeladenen Bäumen mitten im Winter, und einige inspirierte der Anblick der griechischen Landschaft sogar zu poetischen Ergüssen.Auch die "herzerhebenden" Überreste aus der alten Zeit erregten Staunen und Bewunderung. (Siehe Anhang 2)
  
Die Begegnung mit den Menschen war schon wesentlich problematischer. Man hatte sich die Griechen wie Helden aus den Perserkriegen vorgestellt. Statt dessen wirkten sie phlegmatisch "nach morgenländischer Art" auf die Fremden, und man vermißte die ständigen Manifestationen feurigen Patriotismus an ihnen. Zudem hatten die Freiwilligen auf einen Empfang mit Begeisterung und Dankbarkeit seitens der Griechen gerechnet, und es bruskierte sie, wenn beispielsweise für den Transport des Gepäckes vom Schiff ans Land Geld verlangt wurde.

Während der Wanderung der Freiwilligen durch die Peloponnes und das griechische Festland kam es zu vielen Zusammenstößen zwischen diesen und den Einheimischen. Solche unschönen Erlebnisse werden in den Memoiren ausführlichst und oft mit Übertreibung und viel Bitterkeit erzählt. Dennoch glaube ich nicht, daß hier der eigentliche Grund für die tiefe Enttäuschung aller unserer Griechenlandfahrer zu sehen ist. Wir müssen vielmehr woanders danach suchen.

Wie vielschichtig oder egoistisch die persönlichen Beweggründe auch gewesen sein mögen, mit denen die Freiwilligen auszogen, so war doch zweifellos ihr hauptsächliches gemeinsames Anliegen, Seite an Seite mit den Griechen gegen den türkischen Feind zu kämpfen. Vielen aber bot sich während ihres ganzen Aufenthaltes in Griechenland kein einziges Mal die Gelegenheit, an einem regulären Gefecht teilzunehmen.

Dabei stellten die Freiwilligen oftmals ihren guten Willen, sich einzusetzen, unter Beweis. So richteten sie z.B. in der Burg von Navarino, die schon von den Griechen erobert war, zerstörte Festungsmauern wieder auf und setzten die vorgefundenen Geschütze in Stand. Sie organisierten einen regulären Wachdienst und recognoszierten die ganze Gegend, bis hin zu den Meeresfesten Modon und Coron. Und als Anfang 1822 der Graf Normann mit einer kleinen Philhellenentruppe dort ankam und alsbald den Angriff eines türkischen Geschwaders abschlagen half, wurde er zum Dank von den Griechen zum Festungskommandanten von Navarino ernannt.






Auch in Athen, wo die Akropolis noch in der Hand der Türken war, hatten die fremden Helfer die ganze Stadt zum Zeugen,wie sie, in Ermanglung aller Mittel, Sturmleitern zimmerten und anderes Belagerungswerkzeug herstellten. Und in der Nähe von Patras, während des Epiros-Feldzuges, erzählt der Regimentsarzt Elster, sei bei den Fremden allein auf die Nachricht, daß ein türkisches Kavalleriekorps gesichtet worden sei, der Jubel unendlich groß gewesen, und hätten sich diese sogleich ausgebeten, bei dem erhofften Gefecht den Vortrab zu bilden. (Siehe Anhang 3) Auch bei verschiedenen Sturmangriffen wie auf die Palamidesburg in Nauplia im Dezember 1821 und dann mit Erfolg im November 1822 oder auf die Akropolis in Athen im Mai 1822 kämpften die Freiwilligen jeweils in den ersten Reihen.

Es kommt hinzu, daß viele deutsche Offiziere erwartet hatten, daß sie nicht als Gemeine dienen, sondern ein Corps griechischer Soldaten befehligen würden, um dieses zunächst in der europäischen Kriegskunst zu unterrichten. In der Vorstellung, daß sie eine solche Rolle in Griechenland verkörpern würden, hatten sie übrigens auch die Philhellenen daheim, wie z.B. Friedrich Thiersch, bestärkt. Ein reguläres Heer gab es aber in Griechenland während der ganzen Dauer des Unabhängigkeitskrieges nicht. Die Griechen führten eine Art Guerillakrieg gegen einen zahlenmäßig weit überlegenen Feind. In diesem Krieg mußte das oberste Gebot die Schonung des menschlichen Lebens sein. Der unvermutete Schlag aus dem Hinterhalt war dem offenen Angriff vorzuziehen, und die Festen wurden eher durch Belagerung und Aushungerung erobert als im Sturmangriff genommen.
Den Fremden, von denen viele an den Feldzügen gegen Napoleon teilgenommen hatten und die an eine reguläre Schlachtordnung gewöhnt waren, war dieser Krieg völlig unverständlich. Sie, die unter wahrer Tapferkeit verstanden, daß man dem feindlichen Kugelregen offen und gerade entgegengeht, deuteten es als Feigheit, wenn die Griechen sich hinter einem Felsblock versteckten, sobald die ersten Schüsse fielen. Und wenn sie die Griechen den ganzen Winter über in den Kaffeehäusern sitzen sahen, anstatt daß sie sich auf den Feldzug des nächsten Frühjahres vorbereiteten, so erachteten sie diese als faul und brach aller Vaterlandsliebe. Das einzige, was den Fremden ziemlich schnell klar wurde, war, daß sie unter den gegebenen Umständen, in einem Land, in dem es an jeglicher Regierungsgewalt und militärischen Organisation fehlte, zur Tatenlosigkeit verurteilt waren und daß deshalb ihre Anwesenheit nutzlos war. (Siehe Anhang 4)





       Hier liegt, so meine ich, der Hauptgrund für die große Enttäuschung der Freiwilligen. In der Tat rechtfertigen viele ihren Entschluß, in die Heimat zurückzukehren, mit diesem Argument. Und daß sie darin, zumindest zum Teil aufrichtig sind, läßt sich durch folgende Tatsache belegen: So schnell diese Männer auch Griechenland den Rücken kehrten, so sind sie doch zumeist nicht von der ursprünglichen Idee abgerückt, daß Griechenland von den Türken befreit werden müsse. Es ist bemerkenswert, daß zahlreiche Memoirenschreiber, trotz aller Bitterkeit und Enttäuschung, die in ihren Werken zum Ausdruck kommt, zum Schluß den Griechen von Herzen den Sieg in ihrem Freiheitskampf wünschen. Manch einer fügt dem auch noch seine Ratschläge hinzu, wie die große griechische Sache am besten zum Ziel gelangen könnte. (Siehe Anhang 5)



Die Memoiren zurückgekehrter Freiwilliger, fast durchweg während der 20er Jahre des 19. Jahrhunderts an verschiedenen Orten der Staaten des Deutschen Bundes veröffentlicht, hatten vor allem zum Ziel, das Publikum über die wahren Verhältnisse in Griechenland aufzuklären. Die unüberhörbare Botschaft dieser Schriften war, daß mit der Zusendung von kleinen Freiwilligentrüppchen den Griechen keine wirkungsvolle Hilfe zu leisten sei. Einige enthalten auch eine ausdrückliche Warnung an weitere Kampfeslustige, sich nach Griechenland zu begeben.


Der Titel "Schilderung einer enthusiasmirten Reise" ist ironisch gemeint. Dieses Buch von F.A. Lessen ist eines der negativsten über Griechenland. - Der Autor der "Reise eines teutschen Officiers" ist Ferdinand von Kiesewetter.

In der Frankfurter Ober-Postamts-Zeitung vom 25. Dez.1823 werden die Memoiren des Freiwilligen H.J. Kiefer besprochen (vgl. Anhang Nr.6). Zielscheibe der Kritik zurückgekehrter Freiwilliger waren hauptsächlich die Griechenvereine. Der Vorsitzende des Darmstädter Griechenvereins Ernst Emil Hoffmann verwahrte sich wiederholt in Zeitungen wie auch in dem Bericht des Vereins "Übersicht der Wirksamkeit" gegen Anschuldigungen aller Art.





Wir wollen einen kurzen Blick darauf werfen, wie die Philhellenen, die in Deutschland fortfuhren, mit der Feder für die Griechen zu kämpfen, auf diese Botschaft reagierten: Der Empfang der Freiwilligen in ihrer Heimat war ausgesprochen kühl. Gleich die ersten veröffentlichten Reiseberichte stießen auf heftigste Kritik in Zeitungen und anderswo. D.h. ab 1822 begann eine polemische Auseinandersetzung zwischen Daheimgebliebenen und Heimkehrern, die sich über Jahre hinzog und in der es weder die eine noch die andere Seite an Schärfe fehlen ließ.

Den Freiwilligen wurde immer wieder vorgeworfen, daß sie sich bei ihrem kurzen Aufenthalt in Griechenland gar kein Urteil über den wirklichen Zustand des Landes bilden konnten, daß sie die Griechen nur darum so hart verurteilten, weil sie nicht schnell die Erfüllung aller ihrer egoistischen Wünsche fanden und daß sie sich beeilten, ihre düsteren Berichte zu veröffentlichen, um wenigstens einen Teil ihrer Reisekosten herauszuschlagen. (Siehe Anhang 6)

Daß die Philhellenen daheim nicht bereit waren, ihre vorgefaßte Meinung über die Griechen aufgrund der Aussagen der Heimkehrer zu revidieren oder auch nur zu modifizieren, kommt u.a. sehr deutlich in einer Kritik in den Brockhausschen Blättern für Literarische Unterhaltung von 1828 zum Ausdruck, wo den Freiwilligen einzig und allein die ganze Schuld am Scheitern der Expeditionen aufgebürdet wird, zumal niemals Abenteurer mit törichteren Erwartungen, größerer Unkunde und vollkommnerem Mangel an allen moralischen und materiellen Voraussetzungen ausgezogen seien. Danach aber, wer diese Männer mit so vielen falschen Vorstellungen gespeist und auf den Weg geschickt hatte, fragte keiner. (Siehe Anhang 7)

Solcherlei Pauschalurteile über die Freiwilligen haben sich bei einigen Philhellenenforschern bis heute fortgepflanzt. Besonders Kyriakos Simopoulos, der mit seinem fünfbändigen Werk den verdienstvollen Versuch unternimmt, das griechische Publikum mit der äußerst umfangreichen ausländischen Memoirenliteratur zum griechischen Freiheitskampf bekannt zu machen, charakterisiert die Mehrzahl der Freiwilligen als Abenteurer mit Söldnermentalität und ohne jedes philhellenische Gefühl. Auch den Organisatoren der Expeditionen, den Vertretern der Griechenvereine, wirft er Abenteurertum vor und kommt zu dem Schluß, daß die Freiwilligenexpeditionen Griechenland politisch, wirtschaftlich und moralisch sehr geschadet hätten und daß die Heimkehrer mit ihren Negativberichten eine griechenfeindliche Stimmung geschaffen und die ganze philhellenische Bewegung in Mitteleuropa zum Erliegen gebracht hätten.


Meine Schlußfolgerungen, nach dem Studium der einschlägigen Quellen, sind dem entgegengesetzt. Meiner Meinung nach war die Entsendung von Freiwilligen nach Griechenland in den ersten beiden Kriegsjahren eine Fehlplanung. Das Unternehmen entsprang aus den guten Willen vieler ehrenwerter Männer, aber es waren auch einige Mißverständnisse mit im Spiel. Ein Mißverständnis bestand darin, daß man das ideale Bild vom klassischen Griechenland unverändert auf die neugriechische Wirklichkeit übertrug, ein anderes darin, daß die Philhellenen in Deutschland in der frühesten Kriegsperiode meinten, ihre Dankesschuld gegenüber den Altgriechen am besten durch militärische Hilfe für deren Nachfahren, die Neugriechen, einlösen zu können. Somit war der Mißerfolg von vornherein in dem ganzen Unternehmen angelegt.

Die freiwilligen Helfer konnten sich den völlig ungewohnten, schwierigen Verhältnissen in Griechenland nicht anpassen und kehrten in ihre Heimat zurück, ohne den Griechen einen wirklichen Dienst geleistet zu haben.





Die Freiwilligenexpeditionen wurden Ende des Jahres 1822 eingestellt, und dies geschah im wesentlichen aus zwei Gründen: Zum ersten mußten sich die Vertreter der Griechenvereine letztlich die Zwecklosigkeit ihres Unternehmens eingestehen, als nämlich bekannt wurde, daß auch die bis dahin größte und am besten ausgerüstete Truppe, die sogenannte Deutsche Legion, nicht der griechischen Regierung zugeführt werden konnte, sondern sich binnen kurzem auflöste. Zum zweiten schob die offizielle Verurteilung der griechischen Revolution durch die Großmächte auf dem Kongreß in Verona im Dezember 1822 der ganzen philhellenischen Bewegung über Jahre einen Riegel vor. Das manifestierte sich nicht nur in der Einstellung der militärischen Hilfsleistungen, sondern auch in einer deutlichen Abnahme des moralischen Zuspruchs in Form von griechenfreundlichen Schriften.



Ganz eingeschlafen ist das Gefühl der Anteilnahme am Schicksal des griechischen Volkes jedoch nie, und 1826, als ganz Europa die heldenhafte Verteidigung der von den Türken eingeschlossenen Stadt Mesolongi durch die Griechen verfolgte, kam es zu einem neuen sehr dynamischen Aufschwung des Philhellenismus in Deutschland, an dem nicht nur das Volk, sondern auch die höchsten Regierungskreise teilhatten. Allen voran ging König Ludwig von Bayern, der zunächst erneut den Versuch einer praktischen militärischen Hilfe für die Griechen unternahm: Er entsandte 1826 eine Gruppe von 15 Offizieren und Unteroffizieren, die aus der bayerischen Staatskasse besoldet wurden. Ihr Anführer, Oberstleutnant von Heideck, ( der sich neben seinem militärischen Beruf auch mit großem Erfolg der Malerei widmete ) erwarb sich durch sein Wirken in Griechenland das Vertrauen des Präsidenten Kapodistria und gelangte zu Rang und Namen.




Aber auch den deutschen Freiwilligen der frühen Jahre, um die es uns hier ja in der Hauptsache ging, ist letzten Endes nicht jede Anerkennung versagt geblieben. Wenn sie auch unmittelbar nichts zum Gelingen des griechischen Freiheitskampfes beitragen konnten, und wenn auch ihr namhaftester Vertreter, Graf von Normann-Ehrenfels, sich nicht an Ruhm mit dem in ganz Europa vergötterten Dichtergenie Lord Byron messen konnte, so haben sie doch ohne Zweifel Griechenland ein großes Opfer gebracht, schon allein dadurch, daß der Blutzoll, den sie entrichteten, ungeheuer hoch war. Und daß dieses Opfer mitunter auch gebührend gewürdigt wurde, davon legen einige im Anhang (Siehe Nummer 8 ) abgedruckte Texte und Tafeln beredtes Zeugnis ab.  

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Anhang


Nummer 1:


"Griechenland, einst die Wiege der Kunst und Wissenschaften, war unter der Herrschaft der Türken seiner politischen Existenz gänzlich abgestorben; kaum kannte man die Neugriechen nur noch dem Namen nach. Unerwartet ergreifen die Griechen im Jahre 1821 die Waffen, um ihre verlorene Selbständigkeit wieder zu erkämpfen. Kein Wunder, daß sich beim Entstehen dieser Empörung die innigste Teilnahme des gebildeten Europa zugunsten der Griechen so deutlich aussprach; kein Wunder, daß Männer und Jünglinge, Militärs und Nichtmilitärs sich ergriffen fühlten, einer bis zur tiefsten Sklaverei herabgesunkenen Nation kräftigen und persönlichen Beistand zu leisten. Bezaubernd war der Gedanke, auf den Grabmälern eines Leonidas, Themistokles und Epaminondas für die Zivilisation und Unabhängigkeit einer Nation zu kämpfen, wo jeder Keim geistiger Aufklärung durch barbarische Gesetze ertötet wurde."

Aus: Schrebian's Aufenthalt in Morea (1825), S.64.


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Brüder sind wie, Brüder alle!
Jubel auf zum Himmel schalle!
Völker eint das kühne Streben,
Nur die Freyheit ist das Leben.
Nicht Germanen, nicht Hellenen,
Ein Volk sey`s - von Teutschhellenen!
Weggetilgt mit gutem Schwerte
Sey die Knechtschaft von der Erde!
Ja, wir wenden Zwingherrn-Bande
Von dem Einen Vaterlande.

Worte von Korais in Alexander Ypsilantis Gruß, abgedruckt in: Elster, Das Bataillon der Philhellenen (1828), S. XVI.


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   Nummer 2:

Seid mir gegrüßt, Gebüsche Arkadiens! Land von Göttern geliebt! Berge, der Oreaden Aufenthalt! Reizende Thäler der Hirten! Duftende Matten, auf denen Pan, die Dryaden und die Nymphen tändelnd spielten, bei bucolischen Gesängen voll Unschuld! Und ihr dunkle Haine, die mit geheimnisvollem Schleier Diana und ihr keusches Gefolge umhüllten! Seid mir gegrüßt! Und: "auch ich habe in Arkadien gelebt!"

Aus: L[übtow], Der Hellenen Freiheitskampf (1823), S. 13.

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...Wir gingen doch mehr bergab als bergauf, bis zu einem Fluß, der schnell in einem engen dicht bewachsnen Tal dahinschoß. Er labte uns mit seinem reinen, klaren Wasser. Und dies war der Eurotas. Mir kann keiner nachsagen, daß ich ein zärtlicher Empfindling sei, der, wie so viele Reisebeschreiber an allen Orten über das Wort "klassischer Boden" sentimentalisiert; aber an solcher Stelle wird einem warm: Ist es doch, als vernähme man an einem Werkeltage die Kunde eines längst vergeßnen schönen Festes."

Aus: F. Lieber, Tagebuch meines Aufenthaltes... 1823, S.55.


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"25.September 1822: Erfrischendes Bad im Meer. Romantisches Kloster von Dafne, zweieinhalb Stunden von Athen. Endlich liegt Athen vor uns mit seinen Altertümern und seiner herrlichen Ebene. Alle Mühen und Qualen, die wir durchgemacht haben, sind vergessen bei diesem Anblick! Wunderbar die Ebene von Athen, ein Wald von Olivenbäumen! In Marschordnung sind wir nach Athen eingezogen."

 Aus: H. Treiber, Reminiszenzen aus Griechenland 1822-1828, (Aus dem handschriftlichen Tagebuch auf Griechisch herausgegeben, Athen 1960) S.49.


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Die hiesigen Schätze altgriechischer Architektur sahen wir täglich, nicht ohne Lebensgefahr, da die Türken mit ihren vortrefflichen Wallbüchsen stets, selbst in einer unglaublich scheinenden Entfernung, uns mit einem wohlgezielten Kugelregen begrüßten. Schade, daß Lord Elgin hier so vieles zerstückt hat, um es nach England hinüber zu schaffen. Der sonst mehr erhaltene Tempel des Theseus hat dadurch fast ganz seine schönste Zierde, einen großen Theil der herrlichen Basreliefs, verloren, die ihn schmückten. Die noch vorhandenen achtzehn Säulen vom Tempel des Olympischen Jupiters geben einen Begriff, wie dieses Riesenwerk gewesen seyn muß. Der kleine Tempel des Aeolus, in der letzten Zeit von Derwischen zu ihren verzückten Tänzen gemißbraucht, so wie die sogenannte Laterne des Diogenes, haben herrliche Basreliefs. Das Theater des Bacchus konnte nicht besucht werden, da es sehr nahe an der Akropolis liegt. Doch versuchte es mein junger kühner Begleiter, und es gelang ihm, unverletzt hin zu kommen und zurück zu kehren.

 Aus: [Byern], Fragmente aus dem Journale..., in: Preußisches Militair-Wochenblatt Nr.479, 27.August 1825.


  Der Leutnant v. Kotsch (Reise eines deutschen Artillerieoffiziers nach Griechenland, 1824, S.70) hatte sich nach vielen unguten Erfahrungen zur Heimkehr entschlossen; dennoch tat es ihm leid, "dies schöne Land mit dem herrlichen Klima und alle die herzerhebenden Überreste einer edlern Zeit, diese prächtigen Altertümer, an denen man sich nicht satt sehen kann, zu verlassen."

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Nummer 3:

Johann Daniel Elster, Arzt im Philhellenenbataillon während des Epirotischen Feldzuges, erzählt folgendes Erlebnis der Freiwilligen in der Nähe von Patras (Das Bataillon der Philhellenen, 1828, S.27 ff.): Ein kleiner Trupp von ihnen sei ausgeschickt worden, um zu erkunden, ob die Türken aus dem Kastell der "kleinen Dardanellen" [Rhion] Streifzüge unternähmen. Die Männer seien zurückgekommen und hätten berichtet, daß sie tatsächlich auf ein Corps türkischer Cavallerie gestoßen seien, daß dieses sich aber schleunigst in das Kastell zurückgezogen hätte.

Wie ein Feuer durchlief die ruhenden Philhellenen diese Nachricht; alles kam in Bewegung und schrie hoch auf vor Freude, sobald sich mit dem Feind messen zu können. [...] Den ersten Angriff baten sich die Philhellenen aus und sie also machten jetzt den Vortrab. [...] Das Herz pochte uns bei dem Anblick der Kastelle, aus welchen die zu bekämpfenden Feinde hervorkommen sollten, und lauernd zogen wir uns an der linken Seite des Berges hin, um dem Regiment Platz zu machen und eine Schlachtlinie zu bilden; denn wir hofften ganz gewiß einen Angriff von Seiten des Castells und der darin liegenden Cavallerie.

Zur großen Enttäuschung der Philhellenen blieb im Kastell alles ruhig und kam es nicht zu dem erhofften Gefecht.

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Nummer 4:

Gottfried Müller, ein enthusiastischer junger Mann, brach Mitte 1822 zusammen mit seinem Busenfreund Georg Dunze von Bremen nach Griechenland auf. In Marseille, vor der Einschiffung auf der "St. Jean Baptiste", ließ er sich, offenbar aus wohlhabendem Hause stammend, sieben nagelneue Uniformen anfertigen. In Griechenland verlor er seinen Freund durch Krankheit und kehrte schließlich bettelarm nach vielen Irrwegen in die Heimat zurück. Trotz seiner bitteren Enttäuschung bei seinem Griechenlandaufenthalt hat Müller sich später noch mehrmals mit der Feder für die Griechen eingesetzt. Das folgende Gedicht steht am Schluß seiner Memoiren Reise eines Philhellenen, 2.Aufl. 1826, Teil II, S.164.

 

Hellas! Hellas! Land der schönen Trümmer,
Bild von jenem letzten Abendschimmer,"
Der voll Wehmuth durch die Wolken scheint.
Zu dir eilt ich mit der Jugend Sehnen,
Von dir scheid' ich mit ohnmächt'gen Thränen,
Die um dich mein mattes Auge weint.

Schmählich, schmählich, mußt ich hier verderben,
Meine Losung "Siegen oder Sterben"
Brach des Kummers zehrende Gewalt.
O, mit Füßen hast du mich getreten,
Dennoch will ich brünstig für dich beten,
Laut, daß es zum hohen Herrgott schallt.

Grüne Lorbeer'n dachte ich zu pflücken,
In dem Land der Lorbeer'n mich zu schmücken,
Mit Osmannischem Trophäen-Glanz.
Hätte mich die Schlacht zum Tod getrieben,
Wär' ich in dem heißen Kampf geblieben,
Deckte wohl mein Grab der heil'ge Kranz.

Nicht dem Feinde sollte ich erblassen,
Freundes-Volk, das mich verkannt, verlassen,
Stößt mich fühllos in der Siechheit Graus.
Statt dem Schwerdt, das Deutschland mir gegeben,
für des Kreuzes, für der Freiheit Leben,
Nehm' ich meine Krücke mit hinaus.

Alles hast du, Hellas, mir genommen,
Deinem bittern Undank zu entkommen,
Flücht' ich bettelnd zu der Türken Strand.
Deutschlands Söhne wollten für dich fechten,
Wollen nicht mit deinem Unglück rechten,
O verkenne nicht das Freundesland.

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Nummer 5:


Griechenlands Befreyung vom Türkenjoche


Jetzt oder nie! ... Des Schicksals Würfel liegen;
Jetzt gilt es, sterben oder siegen;
Euch ruft das Vaterland.
Ergreift die Waffen, Söhne der Hellenen!
Ein schöner Sieg wird eure Thaten krönen,
Des Nachruhms Unterpfand.

Jetzt oder nie ... zerbrecht die Sclavenketten!
Setzt alles dran die Freiheit euch zu retten,
des Lebens höchstes Gut.
Hoch aufgelodert sind der Rache Flammen,
Sie schlagen über Mah'meds Thron zusammen,
Löscht sie mit Türkenblut.

Auf Stambuls Wälle pflanzt das Glaubenszeichen !
Der Halbmond muß dem Kreuze weichen,
Dem Griechen der Barbar.
Und wären ihrer auch wie Sand am Meere,
Euch bleibt der Sieg, Gott ist mit eurem Heere,
Drum muthig, tapfre Schaar!



Stich und Gedicht dieses fliegenden Blattes (Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg) werden dem Dichter und Maler Harro Paul Harring zugeschrieben, der 1822 als Freiwilliger in Griechenland war. Seine Memoiren erschienen 1828 mit dem Anagramm seines Namens Rhongar Jarr unter dem Titel Fahrten eines Friesen in Dänemark, Deutschland, Ungarn, Holland, Frankreich, Griechenland und der Schweiz und wurden als Tragikomische Abenteuer eines Philhellenen 1923 nochmals herausgegeben.

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Nummer 6:

                   
Eine merkwürdige Erscheinung ist die in diesen Blättern schon erwähnte Schrift eines Deutschen (H.J.Kiefer), der dem traurigen Lose der letzten Sendung deutscher Philhellenen nach Griechenland entronnen ist.

Sie enthält schwere Anschuldigungen gegen diejenigen, in deren Hände das Schicksal dieser Expedition gelegt war, und die, wenn diese Schrift Wahrheit redet, dem deutschen Vaterlande Rede stehen werden, über die Verwendung der Summen, die lobenswerter Enthusiasmus einem edlen Zwecke geweiht, über das Schicksal von mehr als 100 deutscher Männer, die nutzlos hingeopfert worden. Die Schar, die ein Vorbild für die Griechen werden sollte, erhielt bei ihrer Ausschiffung in den bisher im Schiffsraum eingepackten Waffen - alte verrostete Gewehre, ohne Feuersteine, ohne Patrontaschen, fand keine Maßregeln, ihre Aufnahme zu sicher, wurde daher von den Griechen anfänglich mit Mißtrauen, bald in ihrem verwaisten Zustande mit Spott aufgenommen, und zerfiel durch die unverständige Wahl der Anführer binnen einem Monat in sich selbst, ohne nur zum Gefechte gekommen zu sein, während das mit dem Schärflein der Deutschen für diese deutsche Schar angeschaffte und von Marseille mit nach Morea übergeschiffte Magazin von dem Anführer der Expedition, Kephallas, den Griechen in die Hände gespielt wurde. So lauten die Anklagen des zurückgekehrten Philhellenen und sie werden und dürfen bei der Wichtigkeit der Sache nicht unbeantwortet bleiben.
Wir begnügen uns, einige wenige allgemeinere Skizzen auszuheben, die von dem bitteren Unmute frei sind, der zu sichtbar in dieser im grellsten Gegensatze mit Voutiers Mémoires stehenden Schrift waltet. Von dem Schicksal der ersten philhellenischen Legion berichtet der Verfasser Folgendes:
" Im Sommer 1822 rief sie alle der feindliche Einfall auf die, mit ihrem Blute getränkten, Gefilde von Arta und Peta, und nach Beendigung des Feldzuges kehrte das Regiment Tarella, nachdem es achtzig Mann und seinen Führer verloren hatte, unter dem Kommando eines Italieners, Gubernati, zu den Pässen von Napoli zurück.
Du wirst dich erinnern, daß wir nach allen eingezogenen Erkundigungen nur noch neun Deutsche in ganz Griechenland zerstreut antrafen, und ich bemerke dir hier, daß sechs, die ich von diesen sprach, sehnlichst zurückzukehren wünschten, - die Absicht der Übrigen konnte mir nicht bekannt werden, da der Eine in Athen, der Andere in Missolunghi und der Letzte auf Kandia residieren sollte. - Zwei von diesem deutschen Reste befanden sich nun unter diesem Korps des Herrn Gubernati, ferner mehrere teils französische Desperatisten, und dreißig bis vierzig aus Italien vertriebene Militärs, und zuletzt dann 200, sage zweihundert, Griechen, die sich unter jenen einer gesetzlichen Ordnung gefügt hatten. Das Äußere dieser zweihundertfünfzig Mann entspricht ganz der Armut der Regierung, welche sich unsere Kommisschuhe zu Gemüte führte; außer Gewehr und Patrontasche haben sie auch, vom Offizier bis zum Tambour, keinen ganzen Fetzen am Leibe, liefern das getreueste Bild von Sanskülotism und leibhaftigem Elende, und werden dieser ihrer traurigen Gestalt wegen von allen übrigen Griechen mit einem unserm Aschenbrödel synonymen Spottnamen verhöhnt." (Beschluß folgt.)

Die Memoiren des Freiwilligen Heinrich Joseph Kiefer, um die es sich in der Rezension der Frankfurter Ober-Postamts-Zeitung handelt, erschienen 1823 unter dem Titel Nachrichten über Griechenland, insbesondere über das Schicksal der letzten Expedition deutscher Philhellenen.

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Nummer 7:

"Der erwachte Freiheitssinn des griechischen Volkes, besonders aber das Unglück so vieler Mitchristen, bewog mich dahin zu eilen, wo des Kreuzes Fahne wehte. Viele junge Männer sah ich nach Griechenland ziehen, ebenso fest überzeugt wie ich, nicht bloß den berühmten klassischen Boden, sondern auch die würdigen Nachkommen jenes alten, großen Heldenvolkes dort zu finden, dessen Taten uns in der Jugend bezaubern. Wie wir jedoch alle getäuscht wurden, davon mag das Folgende einen kleinen Beweis geben, denn leider! ist nur der Boden Griechenlands derselbe, das jetzige Volk der Hellenen aber, auch nicht im entferntesten Sinne jenem alten ähnlich."

Vorwort zu Nelisteros (Anagramm von Rosenstiel), Tagebuch eines Griechenfreundes, 1824.





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Nummer 8:



In des Ruhmes hochgeweihten Hallen
Schmückt der Lorbeer eure Schläfe schon;
Die ihr kühn im Heldentod gefallen,
Ihr genießt nun eurer Thaten Lohn.
Freye Geister, die zum Himmel wallen,
Achtet selbst ihr nicht des Undanks Hohn;
Eure Namen, die der Nachwelt schallen,
Glänzen vor des großen Schöpfers Thron.
Edler Norrmann! der aus deutschen Auen
Diese Schar ins blut'ge Land geführt,
Wo Tyrannen ohne Scheu und Grauen
Lange schon der Griechen Volk regiert,
Auch Dein Name, ewig wird er leben
In den Herzen, die nach Freiheit streben.

Gedicht von einer Griechenfreundin,
abgedruckt am Anfang
von J.D.Elster, Das Bataillon der Philhellenen (1828).

 








Säulenausschnitt aus dem
Denkmal der Philhellenen
in Nauplia (siehe gegenüber-
liegende Seite).


























Das Denkmal wurde von dem französischen Oberst Touret in Auftrag gegeben und vermutlich von dem deutschen Bildhauer Christian Siegel, Schöpfer des in den Fels gehauenen "Bayerischen Löwen" in Nauplia, ausgeführt. "Anläßlich der Einweihung des Philhellenen-Denkmals am 8./20.Mai 1841, waren König Otto mit Gemahlin und dem Prinzen Maximilian zugegen."
( Letzteres Zitat aus den Archiven des Erzbistums der Katholischen Gemeinde Athens. )

In der Mitte über der Tür befindet sich eine Tafel mit der griechischen Inschrift:    
 "DEM EWIGEN ANDENKEN UND DER SEELENRUHE DES VERSTORBENEN OTTO I., KÖNIGS VON GRIECHENLAND, 1867" .










Diese Namenstafel der Philhellenen ist das 24. und letzte Bild, das der Maler Panagiotis Zografos unter der Anleitung des Generals Makrygiannis zur Erläuterung von dessen Memoiren über den griechischen Freiheitskampf zwischen 1836 und 1839 gemalt hat. (National-Historisches Museum, Athen) Die Tafel verzeichnet knapp 300 Namen und trägt die Aufschrift:

"Das Dankbare Griechenland schreibt auf die Tafel der Unsterblichkeit die Namen der PHILHELLENEN, die für SEINE FREIHEIT gekämpft haben."





"Wie gesagt, starben viele der anwesenden deutschen Philhellenen und auch neu hinzugekommene an der Seuche [die zuerst in Tripolitza und dann in Nauplia wütete]. Diejenigen, die die unglückliche Schlacht von Peta überlebt hatten, blieben als Stamm der Regulären, und von dort kamen sie [ ...........] und nahmen auch an der Belagerung von Nauplia teil. Wenn es auch nicht viele waren, denn ihre Zahl überstieg nicht die zweihundert , so übernahmen sie doch den Wachdienst, Tag und Nacht. Sie waren auf den Beinen, die Armen, und sie sind des Lobes würdig für diesen Dienst, den sie etwa einen Monat lang geleistet haben, denn sie haben der Belagerung genützt, und sie waren es auch, die als erste, vor den anderen Griechen, bei der Eroberung in die Palamidesburg eindrangen. Ich erinnere mich nicht an ihre Namen, um ihrer zu gedenken und ihrer Tapferkeit einen Kranz zu flechten. Und dennoch sind sie bis zum Schluß bei der Verteilung der Beute ungerecht behandelt worden, weil die Irregulären alles genommen haben.[.........]
[...........] Ihr Anführer namens Normann, auch er deutscher Abstammung, der im Jahre 1823 starb, wie auch die Hauptleute legten große Tapferkeit und unvergleichliche Ausdauer an den Tag, und wie eine Mutter ihre Kinder umhegt und pflegt, genauso kümmerten sich auch diese um ihre Soldaten. Die hatten ja Tag für Tag Streit wegen des Mangels an allem Notwendigen, bis sie nämlich das eine fanden, fehlte ihnen schon wieder das andere, und aus diesem und noch anderen Gründen mehr konnte dieses Korps der Regulären niemals festen Fuß in Griechenland fassen. Alle diese Deutschen aber waren die aufrichtigsten und selbstlosesten Freunde Griechenlands, und wegen dieser Tugenden habe ich hier in meiner Rede länger bei ihnen verweilt."

>Aus den Memoiren des Photakos, Adjutanten von Kolokotronis, (S. 430 - 431, Übersetzung der Verfasserin).





Die Verfasserin, eine deutsche Philhellenin in Griechenland

 Regine Quack-Manoussakis wurde in Berlin geboren. Sie wuchs auf im westlichen Teil der geteilten Stadt. Epoche: Kalter Krieg. Schulbesuch im Französischen Gymnasium, das als Gründung des Großen Kurfürsten für die zahlreiche hugenottische Bevölkerung 1989 bereits sein 300jähriges Jubiläum feierte. Anschließend Studium der Romanistik und Geschichte an der Freien Universität Berlin.Unterbrochen war die Schulzeit durch einen einjährigen Aufenthalt als Austauschschülerin in den Vereinigten Staaten von Amerika, das Studium in Berlin durch zwei Semester in Freiburg i. Br. Referendarausbildung für das Lehramt an höheren Schulen und zweites Staatsexamen in Hannover.

 Seit nunmehr dreißig Jahren ist Regine Quack-Manoussakis in Griechenland ansässig. In Athen, aber auch bei vorübergehenden Aufenthalten in Wien, Berlin, München, Paris und Genf wandte sie sich besonders der Erforschung des deutschen Philhellenismus zu.


 1980 wurde sie mit der Dissertation "Der deutsche Philhellenismus während des griechischen Freiheitskampfes, 1821-1827" an der Freien Universität Berlin unter Prof. Dr. Mathias Bernath zum Doktor phil. promoviert. Als Buch erschien ihre Dissertation beim R.Oldenbourg Verlag in München 1984, in der Reihe Südosteuropäische Arbeiten Nr.79.
An der Deutschen Schule Athen erteilte R.Quack-Manoussakis während mehrerer Jahre Sprachunterricht.

 Seit 1975 nimmt sie regelmäßig an den internationalen und lokalen Kongressen der Gesellschaft für Peloponnesische Studien sowie an anderen Historikertagungen teil. Sie hat zahlreiche Einzelstudien hauptsächlich in griechischen wissenschaftlichen Zeitschriften, einige auch in deutschen Zeitschriften veröffentlicht.

 Seit 1984 lebt Regine Quack-Manoussakis in der Argolis, in Assini bei Nauplia, der Partnerstadt von Ottobrunn.





Regine Quack-Manoussakis






Abbildungsnachweise

Für die freundliche Erlaubnis zum Abdruck der Abbildungen wird gedankt:
Nationalgalerie Athen: Titel, S.3, S.15, Rückseite
Nationalhist. Museum Athen ( Herr Mazarakis ): S.7 unten, S.9, S.10 oben, S.16 unten, S.28
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe: S.14
Germanisches Nationalmuseum Nürnberg: S.22
Abb. S.13 aus: Kathimerini, 14.4.1992, S.7
Alle übrigen Abbildungen nach Vorlagen und Photos aus dem Archiv der Autorin,
aus dem Otto-König-von-Griechenland-Museum der Gemeinde Ottobrunn und aus Privatbesitz.


Abbildung auf dem Rückumschlag
Theodoros Bryzakis: Das Feldlager des Karaiskakis (siehe S.15)

Schriftenreihe
des Otto-König-von-Griechenland-Museums der Gemeinde Ottobrunn
( hrsg. v.Jan Murken und Christine Scholz )

Nr.1
Das Theresienmonument in Bad Aibling, 1996
Faksimile der Festschrift von 1835 mit erläuterndem Kommentar von Jan Murken

Nr.2
Burkard von Roda
Aus dem Nachlaß der griechischen Majestäten

Nr.3
Jan Murken
Otto von Wittelbach wird König von Griechenland -
Ein Kartenspiel von 1834 mit 36 Karten, 1998

Nr.4
Rolf-Dieter Keil